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Warum gerade "Gründerzeit in Leipzig" ?
"Städte sind ebenso Individuen wie Menschen, und so kann jede von ihnen vorwiegend nur das bieten, was ihr in beschränkter oder umfassender Ausdehnung eigentümlich ist. Alter, Geschichte, Entwicklungsgang, Größe, Bürgersinn und geographische Lage werden jeder Stadt ein besonderes Gepräge aufdrücken..."
Dieser getätigte Ausspruch von 1892 in einem Buch über die Leipziger Architektur hat bis heute seine Richtigkeit bewahrt.
Gerade in Leipzig haben die strategische Lage, die Handels- und Buchmessen und das mit der Prosperität verbundene Selbstverständnis und seine Widersprüche zu dieser Zeit eine Ausstrahlung und Vorreiterrolle auf gesellschaftlichem Gebiet auf ganz Deutschland und die ganze europäische Welt gehabt. Die Gründung der Frauenbewegung fand nicht zufällig in Leipzig statt. Auch das Umsichgreifen der Ideen der Sozialdemokratie, das erste Jugendamt, der erste Schrebergarten und der erste Kindergarten sind ohne Leipzigs Phase der Gründerzeit nicht zu denken. Nicht umsonst ist das Wort "Kindergarten" in aller Welt ein deutsches.
Leider gibt es deutschlandweit nur wenige Erinnerungsstätten an diese stürmische Zeit deutscher Geschichte, die auch eine Zeit großer Widersprüche war.
Leipzig ist eine Stadt, die ihr heutiges Gesicht zu wesentlichen (noch erhalten gebliebenen) Teilen der Gründerzeit verdankt, in der die Gründerzeit und ihre Architektur allgegenwärtig sind. Was liegt also näher, als in dieser Stadt auch die historische Aufbereitung jener Zeit zu etablieren und sich hier die Schaffung eines deutschen Gründerzeitmuseums vorzunehmen. Dabei soll der für die Entwicklung der Stadt überaus wichtige Zeitabschnitt zwischen 1860 und 1914 aufgearbeitet und bewertet werden.
Vor allem wird die Stadt neben dem Zeitgeschichtlichen Forum - der Aufarbeitung der friedlichen Revolution in Leipzig - über eine zweite Dokumentation die Stadtentwicklung gravierend beeinflussender Geschichtsprozesse verfügen.



